Einsamkeit. Die Kälte, die einem im Verlauf der Nacht durch das Shirt und den Softshell in die Knochen kriecht. Die Zeit, die nicht zu vergehen scheint: Man ist nicht annähernd aufgewärmt in der kalten Kabine eines Mercedestransporters und muss schon wieder raus, weil die selbstbestimmte zehnminütige Sitzpause abgelaufen ist.
Man denkt viel nach, über Gott und die Welt. Schwere Gedanken werden häufiger gedacht, als leichte Gedanken. Man erinnert sich an so manches aus der Vergangenheit. Die Guten, wie die schlechten Dinge, die passiert sind. Und fragt sich, ob es so gut ist, wie alles gelaufen ist. Nur selten findet man Antworten, vielmehr vergräbt man sich immer wieder, in den selben alten Fragen und Zweifeln.
Bullshit.
Ja ich habe manchmal gefroren und mich manchmal auch geärgert, als ich nach viel zu kurzen zehn Minuten wieder aus meinem Transporter musste. Und ja. Ich habe auch ein bisschen nachgedacht.
Aber ganz ehrlich:
Man sitzt da im Auto und fragt sich immer wieder, warum das kleine Schild, unter dem Parkverbotsschild nicht zentriert, sondern nach links verschoben angebracht ist. Man fragt sich, warum in dem Transporter das Radio weit über dem Kopf des Fahrers angebracht ist. Man kann sich mindestens 45 Minuten mit der Überlegung beschäftigen, ob man nun eine Pizza bestellt oder nicht. Man hat endlich mal Zeit eine 10-CD-Collection von Piano-Final Fantasy-Soundtracks zu hören und darauf zu konzentrieren. Irgendwann fängt man an andere Songs mitzusingen, weil ja sowieso niemand da ist, der einen hört und sich darüber aufregen könnte (und man bleibt wach). Man fragt sich, warum Enten früher aufstehen als Tauben. Man spielt alle lustigen Szenen aus der IT Crowd im Kopf durch. Man erinnert sich immer wieder an die Frage, wann in Erfurt eigentlich die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wird (bei Sonnenaufgang) und so lang,
wie die Lampen leuchten beobachtet man auch gern mal ihr Flackern. Man checkt auch mal in den Ü-Wagen und guckt, ob auch nichts brennt und freut sich an den vielen, vielen blinkenden Lichtern und Knöpfen. Aber weil der so gut klimatisiert und kalt ist verlässt man ihn auch schnell wieder. Man plant ernsthaft welches Modell des Mitsubishi Lancer Evolution das erste eigene Auto wird. Man liest. Nicht nur ein Buch, sondern die Nummernschilder der nahen Autos. Mehrmals. Man singt wieder. Man guckt in den “Fluß” und fragt sich, warum der so unglaublich flach ist. Man plant seine “Toilettengänge” recht ausführlich. Man rätselt insgesamt wohl die ganze Nacht, was auf einer Terrasse geschrieben steht und freut sich am nächsten Morgen wie ein Schneekönig, wenn man das zweite Wort endlich lesen kann: “Synagoge” (Es war die Kleine Synagoge). Und noch viel mehr freut man sich über die Sonne, die langsam aber sicher über die Straße kriecht, einen wach macht und wärmt.
Und alles in allem. Hat man keine wirklich schweren Gedanken. Man beschäftigt sich und selbst, wenn man denkt – es ist doch eh viel schöner über die schönen Dinge des Lebens nachzudenken.